Historie der MOTORWORLD
Manufaktur Berlin

Die sehr gut nachvollziehbare Geschichte des MOTORWORLD Geländes lässt sich bis ins Jahr 1722 zurückverfolgen. In diesem Jahr wurde die Königliche Preußische Gewehrfabrique von Friedrich Wilhelm I gegründet. Fast 200 Jahre, also bis ins Jahr 1919, wurden hier Hand-, Hieb- und Stichwaffen hergestellt. Die Beschränkungen des Versailler Vertrages sorgten dann für ein Ende der Waffenproduktion und so wurden die Werkstätten mit 12 anderen Heeres- und Marinewerkstätten Bestandteil der neu geschaffenen Deutsche Werke AG. 1920 begann man, hier Töpfe und Kücheneinrichtungen sowie Wasserhähne und landwirtschaftliche Geräte herzustellen.

Vor rund 100 Jahren entwickelte sich das Gebiet offiziell und für lange Zeit zu einem Standort für Fahrzeugfabrikation. Zunächst wurde hier das Motorrad Star hergestellt, das kurz darauf den Namen Derad erhielt und ab 1924 D-Rad hieß.

Im April 1925 wurden Teile der Motorradfabrikation umgebildet in die Deutschen Kraftfahrzeugwerke AG. Mit den Motorrädern vom Typ R04 wurden die Werke, die auch in der Spandauer „Freiheit“ produzierten, einer der damals erfolgreichsten Hersteller des gesamten Deutschen Reiches.

Im Jahr 1927 begann einer der ganz Großen, hier auf dem Grundstück Automobile herzustellen: William C. „Crapo“ Durant – der Gründer von General Motors, verlegte die Produktion seiner Durant Star Modelle nach Spandau – in den Alten Speisesaal, direkt am Zitadellenweg – dem Gebäude, das heute unser Logo trägt. Leider war er auf dem Europäischen Kontinent nicht so erfolgreich, wie in den USA, wo er mit dem Erwerb von Buick und Oldsmobile bereits 1908 Geschichte schrieb, und so gab er sein Geschäft 1929 wieder auf. Seine Räumlichkeiten gingen an die J.S. Rasmussen Motorenwerke, die bereits seit einem Jahr Motoren und Motorradteile auf dem Südareal (heute Kaufland) produzierten und 1928 mit rund 65.000 produzierten Motorrädern größter Motorradhersteller der Welt war.

Bereits zwei Jahre zuvor, 1926, begann hier die lange und erfolgreiche Geschichte der DKW Automobilproduktion:
Jörgen Skafte Rasmussen, ein dänischer Unternehmer, war bereits 1919 dem Ingenieur Rudolf Slaby begegnet – die Geschichtsschreibung spricht von einem zufälligen Treffen in der Friedrichstraße. Slaby war mit einem seiner Elektrowagen unterwegs, die er vornehmlich für den japanischen Markt produzierte. Durch ein Erdbeben 1923 aber war das Geschäft zum Erliegen gekommen und so einigte er sich mit Rasmussen auf den Versuch, die seifenkistenartigen Fahrzeuge mit den als DKW Motorradmotoren bereits sehr erfolgreichen Zweitaktern auszustatten und diese als DKW zu vertreiben. Die Marke DKW führt zurück auf Dampf Kraft Wagen, von dem tatsächlich nur ein Exemplar hergestellt wurde. Die Technologie war schwer und sehr aufwändig – man vergleiche das Fahrzeug mit einer kleinen Lok.

Und so wurde zum 01.01.1928 die Zschopauer Motorenwerke J.S. Rasmussen AG, Werk Spandau – DKW Automobilfabrik gegründet und unter der Leitung von Rudolf Slaby begann die Produktion des DKW Typ P mit selbsttragender Holzkarosserie und DKW Zweizylinder Zweitaktmotor. Auch wurde hier der Audi Typ P mit Peugeot Viertaktmotor hergestellt, der vom „großen“ DKW P25 abgeleitet war – dem heckgetriebenen Mittelklassewagen mit dem legendären 4=8 Vierzylinder-Zweitaktmotor. Bis 1940 wurden hier komplette Fahrzeuge gefertigt.

Ab 1931 begann man mit der Herstellung der so genannten F-Modelle (Frontantrieb), für die in Spandau noch die Karosserien aus Holz hergestellt wurden. Die Montage der fertigen Fahrzeuge erfolgte dann in Zschopau, die F-Serie war so erfolgreich, dass hier noch 1941 einige Prototypen des DKW F9 entstanden – von dem Fahrzeug, das nach dem Weltkrieg als IFA F9 seine eigene Geschichte gründete.

Am 29. Juni 1932 wurde rückwirkend zum 1. November 1931 in Chemnitz die Auto Union AG gegründet. Ihr Markenzeichen wurden fortan die vier Ringe, wobei bis heute jeder einzelne Ring für eine der eingegliederten Marken, Audi, DKW, Horch und Wanderer steht.

1943 wurden große Teile des DKW Werkes zerstört, aber sofort wieder aufgebaut und so war das Werk die einzige verbliebene Produktionsstätte der Auto-Union im Westen Deutschlands. Noch bis 1964 wurden hier Getriebeteile, Dynostarter und vieles mehr für die Auto Union produziert. Die letzten Neuentwicklungen, die hier entwickelt wurden, waren Teile für die jungen Hoffnungen DKW Junior (F11) und DKW Schnellaster (F89L), die bereits in den heutigen Audi-Werken in Ingolstadt produziert wurden.

Nachdem der Zweitaktmotor, den viele Enthusiasten noch vom Trabant oder Wartburg kennen, in Abgasverhalten und Kraftstoffverbrauch nicht mehr mit der rasant fortschreitenden Entwicklung des Viertakt-Ottomotors mithalten konnte, wurde das Werk nach der Übernahme der Auto Union durch Volkswagen 1964 geschlossen und an den Elektronikhersteller BOSCH verkauft.

BOSCH fertigte hier bis 2002 Antennen, Empfangsgeräte und diverse Bauteile für große Elektrische Anlagen. Die Halbinsel wurde in der Zeit als Naherholungsgebiet für Mitarbeiter genutzt, Camping- und Spielplätze, Bootsanleger und Liegewiesen wurden so über Jahre genutzt. Leider wurden durch neue Prüfmethoden einige Bodenkontaminationen festgestellt und so wurde das Grundstück 2002 als nicht mehr nutzbar ausgewiesen.

Auto Union Werk Spandau Produktion
Auto Union Werk Spandau Produktion
Auto Union Werk Spandau